Der gestiefelte Kater
Musikalisches Pantomimenspiel von Matthias Linke
Ein ganzes Wochenende lang fand für Märchenbegeisterte, und Menschen, die den Wert des Kulturgutes Märchen anerkennen,
ein wahres Freudenfest statt.
Matthias Linke begann im Januar 2008, nach Hänsel und Gretel, den gestiefelten Kater zu vertonen.
Diese Musik, gespielt vom symphonischen Kammerorchester Halfing, gesungen vom Kinderchor Höslwang, bot nun die
Grundlage, auf der das Künstlerensemble zu den Klängen Bilder und Worte lieferte.
Der Pantomime Ulrich Gottlieb bot eine charakterstarke Darstellung auf der von Donata Schiefer passend entworfenen Märchenbühne. Die Textdarstellung von Markus Lütke ließ für Kinder, wie für Erwachsene den Freiraum, in dem die eigene Phantasie sich regen konnte.
Es fanden vier Aufführungen unter der Gesamtleitung von Matthias Linke statt.
Auf die Uraufführung in der Franz von Assisi- Schule Au am Inn folgten Aufführungen im Kultursaal am Park in Bad Endorf, sowie am Laziseplatz vor dem Lokschuppen in Rosenheim. Die am Amphitheater am Stoa in Edling geplante Aufführung wurde wegen der schlechten Wetter in die Halle von Holzhaus Aicher in Holzham bei Halfing verlegt, was die Zuschauer nicht abhielt, zahlreich zu kommen.
Bericht Katharina Egger
Photos Konrad Müller
Altes Märchen - mit neuer, alter Musik
Im Jahr 2007 «Hänsel und Gretel», 2008 nun «Der gestiefelte Kater»: Der Bläserkreis Halfing setzt seine im vergangenen Jahr begonnene Reihe mit Märchenmusicals mit einem ehrgeizigen Projekt weiter fort.
Wieder ist es ein Märchen der Gebrüder Grimm, das unter der Gesamtleitung von Dirigent Matthias Linke, der auch die Musik komponiert hat, am Freitag, 18. Juli, um 10 Uhr in der Heilpädagogischen Franz-von-Assisi-Schule in Au am Inn zur Uraufführung kommt.Linke, auch bekannt als Mitglied der Grassauer Blechbläser, bleibt einem weiteren Prinzip seiner musikalischen Arbeit mit dem 2007 gegründeten symphonischen Kammerorchester Halfing treu: seinem Mut, immer wieder neue Wege zu gehen - auch oder gerade bei Stücken, die sich vor allem an Kinder richten.
Das neue Musical «Der gestiefelte Kater» verlässt die traditionellen Pfade einer typischen Märcheninszenierung, wie sie auf den Kinderbühnen des Landes oder im Fernsehen zu sehen sind: Es treten keine Schauspieler in pompösen Kostümen auf, werden nicht die bekannten Szenen eins zu eins dargestellt oder, wie heute oft üblich, in moderner Sprache neu interpretiert. Stattdessen spricht ein Erzähler, der professionelle Schauspieler Markus Lütke, den Originaltext. Der Pantomime Ulrich Gottlieb, ein in München und Wien ansässiger Künstler, bildet mit seiner Körpersprache und Mimik den szenischen Rahmen. «So entsteht viel Raum, um der Phantasie freien Lauf zu lassen», ist Linke überzeugt.
Pantomime statt Schauspielerei: Dies öffnet auch nach Überzeugung von Barbara Egger, Organisatorin des Projektes aus dem veranstaltenden Halfinger Bläserkreis, neue Möglichkeiten, sich dem bekannten Märchenstoff anzunähern. «Wir setzen unseren Gästen nichts von vornherein Fertiges vor, sondern eine Inszenierung, die an der Oberfläche kratzt und anregt, in die Tiefe zu gehen», bringt Linke das Ziel auf den Punkt. Bewusst setzen er und sein Team auch einen Gegenpol zu den überschwänglichen Märchenfilmen aus dem Fernsehen.
Eine eigene Sprache spricht stattdessen die Musik von Linke: «Ich habe mich hingesetzt und sie ist einfach geflossen», erinnert er sich an die Zeit des Komponierens. Das Ergebnis dieses kreativen Vorgangs ist nach seinen Angaben eine «einfache, fröhliche, beschwingte Kammermusik - mit Elementen der Renaissance und aus dem höfischen Leben». Eine neue, alte Musik, die Linke im Blut lag - nicht nur, weil er alte Musik studiert hat, sondern auch weil er ein begeisterter Märchenfan ist. Seine beiden Kinder müssen den Vater nicht lange bitten, wenn es gilt, aus den Büchern der Gebrüder Grimm vorzulesen. «Märchen faszinieren nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene mit ihrer Hintergründigkeit», findet er. Auch Barbara Egger war deshalb erneut für eine Märcheninszenierung zu begeistern. «Märchen tragen Lebensweisheiten durch die Jahrhunderte», ergänzt sie. Märchen sind nach Erfahrungen der Musiklehrerin auch bewährte Mittel, um Kindern Musik nahezubringen.
Dieses Ziel haben sich auch die Mitwirkenden gesetzt - viele von ihnen aus dem Kollegenkreis der beiden Musiklehrer. Die Aktiven reichen vom gut ausgebildeten Laien bis zum Profi, von Kindern bis zu Erwachsenen. Das symphonische Kammerorchester Halfing hat sich nach Informationen von Barbara Egger aus 18 Musikern der Region zwischen München und Traunstein gebildet. Der Kinderchor Höslwang unter Leitung von Marianne Meyer vereint Schulmädchen und Schulbuben mit geübten Stimmen im Alter von acht bis 14 Jahren.
So vielfältig wie die 40 Akteure an den Instrumenten und am Mikrofon präsentieren sich die Aufführungsorte: Sie reichen vom traditionell bestuhlten großen Kursaal in Bad Endorf bis zur Schulaula in Au, vom Stadtplatz vor dem Lokschuppen in Rosenheim bis zum Amphitheater in Edling. Jeder Ort stellt deshalb an Orchester, Chor, Erzähler und Pantomime die Aufgabe, sich neu zu integrieren. Traumaufführungsbühne ist für Linke und Barbara Egger natürlich das Freilichttheater am Stoa: «Wo sonst könnte man den Originalschauplatz des Märchens vermuten», freut sich Barbara Egger. «Hier befindet sich der Besucher - inmitten der Ländereien des Herrn Grafen», schwärmt sie. Deshalb hofft die Organisatorin vor allem auf eins: auf gutes Wetter. Dass der Funke der Musik, Erzählungen und Pantomime auf das Publikum - von Jung bis Alt - überspringen wird, davon ist sie überzeugt. Die Künstler geben auf jeden Fall ihr Bestes, weiß Linke. «Wir sind kein eingekauftes Orchester, sondern ein Team - mit einem Ziel, unsere Gäste zu bewegen», betont er. Gelingt dies auch heuer, möchte Linke seinen Märchenzyklus mit vier Märchen auch 2009 weiter fortsetzen. Auf seiner Wunschliste steht unter anderem noch «Frau Holle».
Gesamtkunstwerk für kindliches Gemüt
Ludwig Tieck hat seinerzeitdas Märchen «Der gestiefelte Kater» in romantisch ironisierender Weise bearbeitet:
Die Zuschauer sind Teil des Schauspiels und kommentieren das Bühnengeschehen aus ihrer Froschperspektive mehr oder weniger
hochnäsig, werden aber gegen Ende vom Dichter dahingehend belehrt, dass sie «Kinder werden» müssten, um solch Märchen angemessen zu verstehen. Märchen sind nun mal für Kinder geschaffen - und für solche, die bereit sind,
auf intellektuelle Betrachtungen zu verzichten, eben um Kinder zu werden, solange sie zuschauen. Diese Gedanken hat der Musiker Matthias Linke im Verein mit Markus Lütke als Sprecher und Ulrich Gottlieb als pantomimischer Darsteller aufgegriffen und den «gestiefelten Kater» zu einer Art Gesamtkunstwerk für das kindliche Gemüt verarbeitet. Die Premiere fand statt in der Franz-von-Assisi-Schule, der heilpädagogischen Anstalt von Kloster Au, und die vielen Behinderten der Anstalt machten begeistert mit und belebten die Szene je nach ihrem Temperament. Aufführungen in Bad Endorf, Rosenheim und am «Stoa» von Edling folgten.
Ein raffiniert gestaltetes einfaches Bühnenbild diente als Hintergrund für den Ein-Mann-Darsteller Ulrich Gottlieb. Links vorne postierte sich der Sprecher, rechts saß das mit verschiedensten Instrumenten bestückte Orchester, von Matthias Linke sachkundig geleitet. Der Kinderchor von Höslwang sang seine kurzen szenischen Einwürfe als verbindendes Element zum Bühnengeschehen in der Mitte.
Die Musik kommentierte mit einfachen kompositorischen Mitteln das Märchen, etwa nach Art neobarocker Spielmusiken und mit Elementen aus altenglischen Weisen der Renaissancezeit - exzellentes Handwerk des Musikpädagogen Matthias Linke. Dazu Markus Lütke, der in kindgerecht betulicher Ausdrucksweise das formelhafte Frage- und Antwortspiel des Märchens rezitierte - Kinder wollen das so!
Die Musik zog in ähnlicher Weise gleich - ja, und da wurde die Sache etwas eintönig. Hätte Matthias Linke die nun ebenfalls formelhafte Musiksprache etwas variiert, etwa mal die Tonart geändert, es hätte einen Gegenpol geschaffen und Lockerung bewirkt.
Doch markante Stellen gab es allzumal an diesem Vormittag in der Schule: Die Rebhuhnjagd des Katers, mit Schlagzeug, Pizzikato- und anderen Effekten untermalt; Ulrich Gottlieb als Rebhühner mampfender König, oder sein «Gesichtswechsel» vom Gebaren des Königs zum schüchternen Müllerssohn, zur kapriziösen Prinzessin; oder der Kinderchor als Bauernvolk, dem der Kater die Antworten an den König eintrichtert.
Und auch die Festmusiken, bei denen nun Matthias Linke ins Volle griff, mit ineinandergreifenden Motiven alle Mittel der Kompositionstechnik nutzte und damit zusätzlich bei Kindern und Erwachsenen zu lebhaftem Beifall aufrief.
Robert Engl
| Pantomimen-Spiel | Der gestiefelte Kater | mit Ulrich Gottlieb |
| Aufführungstermine | ||
| Fr. 18.7.08 | 10 Uhr | Franz von Assisi Schule / Au am Inn |
| Sa. 19.7.08 | 10 Uhr | Kultursaal im Park / Bad Endorf |
| Sa. 19.7.08 | 15 Uhr | Lokschuppen / Rosenheim - Aula IG-Gymnasium * |
| So. 20.7.08 | 15 Uhr | Stoa / Edling - Halle Aicher Holzham bei Halfing * |
| * bei schlechtem Wetter | ||
| Mitwirkende: | Symphonisches Kammerorchester Halfing Kinderchor Höslwang |
| Sprecher: | Markus Lütke |
| Gesamtleitung: | Matthias Linke |
| Veranstalter: | Halfinger Bläserkreis e. V. |
| Kartenvorverkauf: | i-Punkt Bad Endorf: (08053) 300-850 KuKo + Lokschuppen Rosenheim: (08031) 365 9 365 bei allen Geschäftsstellen der Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg |